
So benutzt du dein Grönlandpaddel
Wenn du zum ersten Mal mit einem Grönlandpaddel paddelst, wirst du feststellen, dass es beim Vorwärtskommen um mehr als Kraft geht. Es geht um Präzision.
Die richtige Technik hat großen Einfluss darauf, wie mühelos du vorankommst – und auf dein Paddelerlebnis überhaupt.
Deshalb möchte ich dir auf dieser Seite Inspiration geben, wie du gut mit deinem Grönlandpaddel startest. Wenn du eine detaillierte Beschreibung der korrekten Paddeltechnik lesen möchtest, empfehle ich dir wärmstens Björn Thomassons Guide.
Halte das Paddel im richtigen Winkel
Halte das Paddel mit gebeugten Ellbogen, so dass der Unterarm parallel zum Deck ist. Wenn du einen Schlag mit deinem Grönlandpaddel machst, sorgt der ovale Schaft dafür, dass die Oberkante des Paddels 10–15 Grad nach vorn zeigt. Das hat den Vorteil, dass du Flattern vermeidest und das Blatt lautlos ins Wasser eintaucht und wieder herauskommt.
Den optimalen Winkel bekommst du auch, wenn dein Paddelschlag – vom Anheben übers Eintauchen bis zum nächsten Anheben – von der Seite gesehen ein flaches Oval bildet.

Dein erster Schlag mit dem Paddel
Wenn dein Paddel eine runde und eine flache Seite hat, beginnst du mit der runden Seite.
Wenn du bereit für einen Schlag bist, setzt du das Blatt so weit vorne ein, wie du reichen kannst. Und mit einem beherrschten, aber bestimmten Zug ziehst du jetzt so weit nach hinten, wie du kannst. Gleichzeitig drehst du deinen Oberkörper, so dass die Schulterachse parallel zum Schaft des Paddels ist. So kannst du deine Muskelkraft voll ausnutzen.
Wenn das Paddel ganz nach hinten geführt ist, setzt du das gegenüberliegende Blatt so weit vorne wie möglich ins Wasser und wiederholst den Ablauf.
Fußarbeit
Die ganze Kraft deines Paddelschlags kanalisierst du in den Fuß auf der Seite, auf der du paddelst. So überträgst du die Kraft über die Fußstütze auf dein Kajak und bekommst eine ruhige Vorwärtsbewegung.
Beim ersten Mal mit einem Grönlandpaddel wirst du merken, dass du mit einer höheren Schlagzahl paddelst. Nach ein paar Kilometern – wenn du dich ans Paddel gewöhnt und dich auf Haltung und Technik konzentriert hast – wirst du feststellen, dass du immer besser darin wirst, das Paddel ruhig im Wasser stehen zu lassen.
Deine Schlagzahl wird fast dieselbe wie bei einem gewöhnlichen Paddel oder einem Wing-Paddel.
Wenn du mit deinem Paddel vertraut geworden bist
Jetzt kannst du anfangen, die flache Seite zu benutzen. Du machst genau dasselbe wie mit der runden Seite, hast aber inzwischen so viel Kontrolle über das Paddel, dass sein etwas anderer Lauf im Wasser dir keine Probleme bereitet. Die flache Seite gibt dir etwas mehr Kraft und Abwechslung im Rhythmus, wenn du zwischen den beiden Seiten wechselst.
Nach ein paar Stunden auf dem Wasser kannst du anfangen zu experimentieren, wie viel zusätzliche Kraft du auf das Paddel übertragen kannst, ohne ein Geräusch zu machen. Vielleicht musst du den Winkel deines Griffs eine Spur verändern – jetzt geht es um die Feinabstimmung.
Wenn du lautlos paddelst und kaum Unruhe im Wasser erzeugst, hast du den Dreh raus.

Verschwende keine Kraft beim Paddeln
Ich erlebe oft, dass viele Paddler unnötig viel Kraft aufwenden, ohne schneller voranzukommen. Sie bewegen schlicht zu viel Wasser und vergessen, dass ein Kajak träge ist.
Die meisten Kajaks haben eine theoretische Höchstgeschwindigkeit von 10–15 Kilometern pro Stunde. In der Praxis paddeln die meisten 4–7 Kilometer pro Stunde – abhängig von der Länge des Kajaks, Wind, Strömung, Wellen sowie Kraft, Energie und Laune des Paddlers.
Da das Kajak nicht wie ein italienischer Sportwagen beschleunigen kann, lohnt es sich schlicht nicht, das Kajak zum Sprinten bringen zu wollen.

Bist du unsicher, ob du zu viel Kraft verschwendest?
Dann schau auf die Spitze deines Paddels. Formt sie ein Loch im Wasser? Erzeugt sie viele Wirbel und Schaum? Oder merkst du, dass dein Paddel sich stark biegt und beim Schlag unruhig ist? Das können Zeichen sein, dass du Kraft verschwendest.
Kajakfahren erfordert Ruhe in Körper und Seele. Jedenfalls, wenn du weit paddeln willst, ohne einzubrechen. Genau hier zeigt das Grönlandpaddel seine Stärke. Ein gewöhnliches Paddel hat eine viel zu große Fläche zu weit weg von der Mittellinie des Kajaks. Ein Paddler verschwendet daher leicht unnötig viel Kraft damit, Wasser zu bewegen und Wirbel zu erzeugen.
Das Grönlandpaddel dagegen hat seine Arbeitsfläche gleichmäßig über fast seine gesamte Länge verteilt. Das gibt dem Paddler ein ruhiges Erlebnis bei gleicher Geschwindigkeit. Willst du schneller werden, geht es also darum, ruhig und gelassen zu beschleunigen – ohne Anstrengung, Spritzer und Geplansche. Dann erreichst du dein Ziel zur selben Zeit und weniger erschöpft.